38-t-Silo-LKW auf der A3 geborgen
 
Ein am 26. August auf der A3 in Richtung Würzburg fahrender 38-t-Zementsilo-lastzug war in Höhe des Frankfurter Kreuzes aus bisher ungeklärter Ursache umge-stürzt. Der Fahrer und seine 20-jährige Tochter waren in den Trümmern des Fahr-erhauses eingeklemmt.


Der mit 28 t Zement beladene Lastzug kam mit dem Siloauflieger, der linken Fah-rerhausseite und zum Teil mit dem Fahrerhausdach auf der total zerstörten Leitplan-ke nach 50 m zum Liegen. Die Befreiung der beiden in Zwangslage Befindlichen gestaltete sich äußerst schwierig, da der rechte Unterschenkel der Tochter zwisch-en Leitplanke und Führerhaus eingeklemmt war. Ein Anheben des Fahrerhauses mit dem Kran, um die Rettung der beiden zu ermöglichen, hätte bedeutet, die Verlet-zungen der jungen Frau noch zu vergrößern.

Der Fahrer wurde mit mehreren Knochenbrüchen, starken Verletzungen am Kopf sowie Schnitt- und Schürfwunden in ein Frankfurter Krankenhaus gebracht. Seine sehr schwer verletzte Tochter wurde mit dem zum Teil abgerissenen rechten Unter-schenkel im Notarztfahrzeug behandelt. Nach der Herstellung der Transportfähig-keit wurde sie ebenfalls in ein Frankfurter Krankenhaus gebracht, wo die sofortige Amputation des rechten Beines bis oberhalb des rechten Knies erfolgte.

Bei dem verunglückten LKW handelte es sich um mit einem Zementsilo und wei-teren Aufbauten ausgerüsteten vierachsigen Sattelzug-LKW. Der Speicherbehälter war zur Aufnahme von 30 Tonnen Trockenzement geeignet. Zum Unfallzeitpunkt war der Speicherbehälter mit etwa 28 Tonnen gefüllt, was zusammen mit dem Ei-gengewicht des Fahrzeuges ein Gesamtgewicht von 38 Tonnen ergab. Speicher-trommel und Fahrgestell waren zum Teil stark beschädigt. Zum Unfallzeitpunkt her-rschte wechselhaftes Wetter.
Zunächst rückten der Hilfeleistungszug der Feuerwache S, ein RTW und zwei NAW zur Einsatzstelle aus. Insgesamt waren 35 Feuerwehrbeamte zur Rettung und Bergung eingesetzt.

Lage
Der Fahrer und seine Tochter befanden sich schwer verletzt zwischen den Trüm-mern des Fahrerhauses und der total zerstörten Leitplanke. Das Unfallfahrzeug bildete

auf der stark befahrenen A3 ein schwierig zu beseitigendes Hindernis. Beide in Richtung Würzburg zur Verfügung stehenden Fahrspuren der A3 waren durch den umgestürzten LKW und die Einsatzfahrzeuge blockiert. Die Schutzpolizei war vor größere Umleitungsprobleme gestellt. Für die schnelle Wiederherstellung des Ver-kehrsflusses war die Beseitigung des umgestürzten LKW maßgeblich.
Da zur Bergung drei Kranwagen mit je einem maximalen Hubvermögen von 2 5 Tonnen zur Verfügung standen, boten sich folgende Einsatzvarianten an:

• Entleerung des Speicherbehälters durch Umfüllen des Trockenzements in ein Re-servefahrzeug des Transportunternehmens und Heben des Unfallfahrzeuges mit dem 35-Tonnen hebenden Kranwagen der BF Frankfurt am Main. Heben des LKW mit gefülltem Speicherbehälter mit einem Kranwagen eines Privatunternehmens und einem Kranwagen der BF und Spill des RW-3

• Heben des LKW mit gefülltem Speicherbehälter unter Einsatz von einem 25-Tonnen-Kranwagen, einem 20-Tonnen-Kran wagen eines Privatunternehmers, einem 35-Tonnen-Kranwagen der BF und Spill des RW-3 der BF.
Die in nur geringen Mengen ausgetretenen Kraft- und Schmierstoffe wurden mit Ölbindemittel aufgenommen. Eine Gefahr, dass Kraftstoff in die Kanalisation gelangen konnte, bestand nicht Die ca. 200 Liter Diesel, die sich noch in dem Tank des LKW befanden, wurden vom RW-Umwelt der Feuerwache l noch vor Auf-richten des Silozuges aufgenommen.

Bis zum Eintreffen der Kranwagen und der parallel verlaufenden Menschenrettung wurden die Hebepunkte bestimmt.

Maßnahmen
Die Einsatzstelle wurde weiträumig gesichert. Die A3 in Fahrtrichtung Köln mußte für fünf Stunden total gesperrt werden. Die Befreiung der beiden Unfallopfer aus dem Fahrerhauswrack erfolgte unter der Zuhilfenahme der hydraulischen Rettungs-schere, des Rettungsspreizers und des Rettungszylinders. Parallel hierzu konnten mit den Einrichtungen des RW-Umwelt der Kraftstofftank des LKW entleert und die Kraftfahrzeugbatterien abgeklemmt werden. Die Bergung des Sattelzuges er-folgte gemeinsam mit der Abschleppfirma Henrichs. Zur Bergung waren zwei Fahr-zeugkrananlagen der Fa. Henrichs, der KW 35 und der RW-3 der Feuerwache 5 eingesetzt. Den weiteren Abtransport des stark beschädigten Fahrzeuges übernahm die Abschleppfirma.

Ausgelaufenes Motor-, Hydraulik- und Getriebeöl wurde mit Bindemittel abge-streut und von der Autobahnmeisterei aufgenommen.

Während der Rettungs- und Bergungsmaßnahmen waren ein C-Rohr und ein Schaumrohr in Bereitstellung.

Die Einsatzdokumentation belegt, dass um 06.41 Uhr die Alarmierung des Hilfe-leistungszuges 5, VRW 5, Technischer Einsatzleiter West, HLF 6, VRW 2, RW-Schiene der Feuerwache 2, NAW 5, NAW 6 und 2 RTW seitens der Leitfunk-stelle Frankfurt erfolgte. Um 06.46 Uhr treffen die ersten Einheiten an der Ein-satzstelle ein. 06.SO Uhr Rückmeldung vom Technischen Einsatzleiter West (TE 06). Ärztliche Versorgung im Gange, eine Rettungsschere zur Befreiung im Einsatz. Ein C-Rohr in Bereitschaft. Noch vor acht Uhr konnten beide Einklemmten an die NAW'n übergeben werden.

Um 10.35 Uhr schließlich war der 38-Tonnen-Zemenl-silozug aufgerichtet und wurde in eine Fachwerkstatt geschleppt. Aufräumungsarbeiten folgten, bis die Ein-satzstelle der Autobahnpolizei übergeben werden konnte.

Text/Fotos: Gerhard Stenge!

Umgestürzter Silolastzug auf der A 3 in Richtung Würzburg, Höhe Frankfurter Kreuz.
Das Fahrerhaus befand sich bei Eintreffen der Feuerwehr auf der Leitplanke. Zwischen Leit-planke und Fahrerhaus befand sich die Beifahrerin, ihre Hüfte war dazwischen einge-klemmt.
Nachdem die Kettung der Beifahrererin und des Fahrers abgeschlossen war, wurde das Fahrerhaus von der Leitplanke gehoben und am Mittelstreifen der A3 abgelegt.

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